axensprung | THEATER entstand 1998 bei der Suche nach einem Namen für das erste Projekt „Der Auswanderer“.  Angeregt wurde die Auseinandersetzung mit diesem seinerzeit völlig unmodischen Thema durch einen Besuch in der Titanic-Ausstellung in der Hamburger Speicherstadt. Die schlichte Zahl OliverHermann_1_Foto_SabineKönigvon sechs Millionen deutscher Auswanderer, die bis zum Ersten Weltkrieg ihr Glück in der „Neuen Welt“ suchten, setzte sich fest, ließ nicht mehr los. Da sich kein geeignetes Theaterstück fand, das dem Thema der massenhaften Migration unserer Vorfahren gerecht wurden, blieb nur die Wahl, selbst auf die Suche nach geeigneten Quellen zu gehen. Gezieltes Suchen förderte plötzlich eine Fülle historischer „O-Töne“ in Form von Tagebüchern, Briefen und Liedern zutage. Die Texte – in der Regel holprig formuliert und nie für die Veröffentlichung gedacht – entwickelten in collagierter Form einen ganz eigenen Zauber.  „Geschichte von unten“ – für die Bühne eingerichtet. Allerdings war der Begriff „Bühne“ von Beginn an sehr weit gefasst. Gezielt wurde nach Spielorten gesucht, die sich inhaltlich oder atmosphärisch für das Stück eigneten. Die Orte selbst wurden mit wenigen Mitteln in Theaterräume verwandelt: Museen, Schiffe (darunter noble Kreuzfahrer, dieselnde Barkassen und ächzende Hansekoggen), Scheunen, selbst Wohnzimmer in hanseatischen Altbauten und – last, but not least – das Vereinshaus der Deutsch-Amerikaner in Chicago.

Theater geht überall! – Die Idee funktioniert, immer wieder melden sich neue Interessenten, Presse und Publikum sind begeistert.

der_auswandererNach 13 Jahren wurde dann aus dem Solo- ein Zwei-Mann-Stück; der singende Schauspieler durch einen schauspielernden Musiker ergänzt. Open Air und dann auch noch vor der respekteinflößenden Flanke der „Queen Mary“ – das ging nicht mehr allein! Das Stück wuchs: neue Lieder, lebendige Interaktion, norddeutsch-knappe Frotzeleien und über allem jetzt eine neue akustische Ebene: der Klang von Meer, knarrende Wanten und schreiende Möwen.

Der axensprung-Stil war gefunden: Historische Themen, aus biografischem Material und zeitgenössischer Musik lebensnah arrangiert und an ungewöhnlichen Orten in Theater verwandelt; Reisen in die Vergangenheit, bei der die Zuschauer hautnah dabei sind.

2013 ein weiteres spannendes Thema: das Ende der Besetzung Hamburgs durch Napoleons Soldaten vor 200 Jahren naht – „Franzosenzeit“.  FranzosenzeitKaum einer in der Stadt weiss noch, dass unsere Hansestadt acht lange Jahre besetzt war und sich keine deutsche Stadt länger mit französischen Truppen arrangieren musste. Einige Bürger und Bürgerinnen haben das später schriftlich festgehalten, im Hamburg Museum finden sich Nachlässe und Spottlieder – auch hier wieder spannende Zeitzeugendokumente in berührender, schockierender, aber auch humorvoller Authentizität. Die Geschichte wird zum Leben erweckt.

2014: Ein Stapel schlichter Feldpostkarten des Urgroßvaters war die Initialzündung für das bisher umfangreichste axensprung-Projekt. Mit dem Ersten Weltkrieg entfachten die europäischen Großmächte vor 100 Jahren mit infernalischer Wucht  den ersten „Weltenbrand“ der Moderne. weltenbrandIn der szenischen Collage gleichen Namens wird autobiografische Prosa und Lyrik von Kriegsteilnehmern mit Militärkommuniqués, Arztberichten, zeitgenössischer Werbung, sowie Ausschnitten aus Reden Wilhelms des II. montiert. Im Hintergrund werden übergroß und schonungslos die Bilder des Krieges – Postkarten, Fotos und Otto Dix’ apokalyptische Schlachtfeldszenarien projiziert. Dritte Ebene: Musik und Sounds. Live-Posaune und als vorproduzierte Klangcollagen zarte Melodien in den trügerischen Momenten der Ruhe, hart kontrastiert mit dem akustischen Grauen der Schlachtfelder. August Stramms Lyrik als mehrfach gedoppelte und beschleunigte Soundcluster im Versuch, sich dem Unsagbaren in einer eigenen Form zu nähern.

Das Projekt  „Weltenbrand“ erfährt von Beginn an große Resonanz, bekommt großzügige Förderung und Gastspielangebote quer durch das Land. Übersetzungsförderung durch das Kulturreferat des Auswärtigen Amtes wird angekündigt, Goethe Institute und deutsche Botschaften zeigen Interesse.